KR DI Dr. Alexander Schaaf

Geboren am 5.10.1923 im Wiener Prater
Gestorben am 22.5.1996 in Wien

Alexander Karl Nikolaj Schaaf, genannt Alexander wurde am 5.10.1923 als Sohn von Helene Schaaf, geb. Kobelkoff, und Karl Schaaf auf Prater 28 (heute 99) geboren. Das erste Wort des kleinen Buben war Murli, das war der schwarze Hund, der auf ihn aufpasste.

Am 1.10.1927 wurde Alexanders Schwester Liselotte ebenfalls im Prater geboren. Leider verlor Alexander seine Schwester als Spielgefährtin, da diese in den Haushalt der „Grandmère“ übersiedelte. Das war die Großmutter mütterlicherseits, Elise Kobelkoff.

Alexander Schaaf und Schwester Liselotte, 1928
Alexander Schaaf und Schwester Liselotte, 1928

Nach Volks- und Hauptschule besuchte er die Handelsakademie in der Akademiestraße im ersten Bezirk. Sein Schulkollege und Freund war der spätere Wiener Sektionsobmann des Fremdenverkehrs Josef Fröhlich. In der letzten Klasse im März 1942 kam der Einberufungsbefehl. Eineinhalb Tage blieben ihm, um von der Schule, den Freunden und der Familie Abschied zu nehmen. Viele davon sollte er nie wieder sehen. Nach kurzer Ausbildung ging es zur Front nach Russland. Nach mehreren Verwundungen, wurde er nach Ostpreußen verlegt, anschließend seine Division suchend, kehrte er nach Russland zurück. Diese war inzwischen nach Nordfrankreich verlegt worden. So ging es von Brest-Litowsk, quer durch Europa bis Arras, im Département Pas-de-Calais.

Alexander Schaaf, 1942
Alexander Schaaf, 1942

Am 3.8.1944 geriet er bei St. Vigor in der Normandie in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Schon in den ersten fünf Minuten kam er mit einem Vernehmungsoffizier zusammen, der aus der Taborstraße in Wien stammte. Als dieser den Namen Schaaf und Prater hörte, war schon alles gelaufen. Alexander fungierte in der Gefangenschaft als Dolmetscher für Englisch undFranzösisch. Im Februar 1946 kehrte er nach der Kriegsgefangenschaft in die Heimat zurück. Im Juli dieses Jahres starb sein Vater, Karl Schaaf.

Alexander Schaaf und Mutter Helene
Alexander Schaaf und Mutter Helene

Der Prater wurde nach dem Krieg neu geordnet.

Ein neuer Parzellierungsplan brachte grobe Verschiebungen des ideellen Familienbesitzes mit sich. Alle bisherigen Pachtverträge wurden generell gekündigt. Anstelle des Verbandes der Praterhüttenbesitzer trat der Verband der Praterunternehmer. Ab 1947 betrieb Alexander auf Prater 42, bei seiner Großmutter Elise Kobelkoff, einen Lungenprüfer und ging daneben einer geregelten Arbeit nach. Er hatte  zu diesem Zeitpunkt bereits eine Familie zu erhalten. Ehefrau Rosa Schaaf geb. Leitgeb, brachte zwei Söhne, Gottfried (1944-1973) und Johannes (1945-1991), mit in die Ehe. Die gemeinsamen Töchter Rosemarie (1947-1994) und Evelyne (1948) kamen zur Welt.

1949 gab es den ersten Watschenmann.

Alexander Schaaf
Alexander Schaaf

1953 kaufte Alexander Schaaf die Parzelle 45 von Maria Stadlbauer und baute sie in einen Narrenpalast um, der heute noch als CALYPSO bekannt ist.

Calypso, Prater 45
Calypso, Prater 45

Weitere Betriebe wurden im Laufe der Jahre erworben, wie z.B. Prater 51b mit der „Internationalen Speedwaybahn“, Prater 52 mit einem Kinderkarussell, der „Dicken Berta“ sowie einer Kinderschaukel. Auf Prater 55a und 55b gab es die Schleuderbahn und die Gokartbahn „Avus“. An dieser Stelle wurden in den 1970er Jahren eine Spielhalle und ein Autodrom erbaut.

Zahlreiche weitere Betriebe hatte er auf Prater 38, 39, 111. Den Discoexpress und ein Bogenschießen sowie auf Prater 152-154 einen Minigolfplatz und das Show Boat. Prater 44 mit dem Take Off und Fadenzug übernahm Alexander nach dem Tod seiner Mutter Helene Schaaf.

Beruflich sehr erfolgreich traf ihn der Tod seiner Ehefrau Rosa, die im Jahr 1976 im Alter von 52 Jahren an einem Gehirnschlag plötzlich verstarb, umso tiefer. Das Leben ging weiter. Ein Jahr nach Rosas Tod verehelichte er sich mit der wesentlich jüngeren Erika Wudeck.

Alexander verblieben noch 20 Jahre in denen er sich für viele Organisationen und Verbände einsetzte. Besonders lag ihm die Vereinigung „Schlaraffia Vindobona“ am Herzen. Nach vielen Jahren der Bewährung konnte man zum Ritter geschlagen werden.

Alexander Schaaf
Alexander Schaaf

Sein Rittername, wie könnte es anders sein, war „Liliom der Calafatisproß“.

In den kommenden Jahren „drückte“ Alexander nochmals die Schulbank, um sein Studium, durch den Krieg unterbrochen, nach zu holen. Er rief auch den ökumenischen Gottesdienst, der zweimal jährlich im Prater abgehalten wird, ins Leben. Besonders engagierte er sich für den Wiener Schaustellerverband, und die europäische Schaustellerunion, deren Vizepräsident er bis zu seinem Tod am 22.5.1996 war.