August Schaaf

Geboren am 20.1.1821 in Leipzig, Sachsen, Deutschland
Gestorben am 7.1.1885 im Wiener Prater

Johann Friedrich August Schaaf, genannt August, wurde 1821 in Leipzig-Reudnitz als Sohn von Johanna Maria Schaaf, geb. Bernhardtin, und Johann Christian Schaaf geboren geboren. Die Familie war im Besitz einer Samengärtnerei. Mit den Sämereien fuhr er mit Pferd und Wagen auf die verschiedensten Märkte. Bei seiner täglichen Arbeit lernte er einen alten Mann kennen, der mit seinem Kasperltheater von Ort zu Ort zog. Es entwickelte sich eine Freundschaft zwischen diesen unterschiedlichen Männern und August half, in dem er den Karren des Alten an seinen Wagen hängen ließ, da sie ja immer das gleiche Ziel hatten.

August Schaaf, Gründer der Familie Schaaf im Prater 1866
August Schaaf, Gründer der Familie Schaaf im Prater 1866

Aus reinem Spaß spielte der junge Mann oft auch den Puppenspieler und erntete großen Beifall bei den kleinen Zuschauern. Er erkannte, dass er imstande war, Menschen Freude zu bereiten.

So kam es zu seinem Entschluss, mit dem Kasperltheater in die Fremde zu ziehen, was er seinen Eltern erklärte. Er kaufte dem alten Mann sein Geschäft ab und wurde Komödiant, oder wie man jetzt so schön sagt, Schausteller. Dies war um das Jahr 1840.

Damals schon ein guter Geschäftsmann erkannte er das Interesse der Menschen an Außergewöhnlichem. Er erweiterte seinen Betrieb um eine Menagerie, wo er Tiere ausstellte, wie z.B. Seelöwen, Riesenschweine und später Affen. Er dressierte die Tiere und der Andrang der Zuschauer war enorm.

Panoptikum, Prater 66 (heute 49)
Panoptikum, Prater 66 (heute 49)

Am 17.10.1853 heiratete der 32-jährige die um 9 Jahre jüngere Hermine Schubert. Sie gewöhnte sich an das Herumreisen sowie auch die beiden Söhne, Carl (1859-1935) und Leopold (1867-1898). Ganz Europa war ihre Heimat bevor sich die Familie 1865 im Wiener Prater niederließ. Um die Zuständigkeit in Wien zu erwerben, kaufte August Schaaf ein Haus im zweiten Bezirk,  Ecke Weintraubengasse/Schrottgießergasse.

Gründer der Familie Schaaf im Prater 1866

1866 erwarb August von Herrn Redl Prater 66 (heute 49). Es war ein Panoptikum mit Figuren, die aus Gips hergestellt waren. Inhaltlich handelte es sich um Siamesische Zwillinge, Indianer und dergleichen.

Er zeigte auch lebende Abnormitäten wie das bekannte Riesenkind Emilie Folke, das nicht nur dick, sondern auch schön war.

Riesendamen, Drillinge und Zwerge gehörten zum Programm. Dies brachte ihm den Titel „König der Bankisten“ ein. (die Inhaber von Schaugeschäften wurden Bankisten genannt). Trotz der Sesshaftigkeit im Wiener Prater, war es damals aus finanziellen Gründen unerlässlich, diverse Reisen zu wichtigen Veranstaltungen zu unternehmen.

Unerwartet starb Hermine Schaaf im Jahre 1869 im Alter von 39 Jahren. Nach zweijähriger Trauer verehelichte August sich mit der um viele Jahre jüngeren Auguste (1847-1908) Sie stammte aus der bereits im Prater ansässigen Schaustellerfamilie Wilfert. Ihre beiden Schwestern waren Anna, die den Rumpfkünstler Nikolai Kobelkoff im Jahr 1876 ehelichte und Emilie, die Carl Schaaf 1884 heiratete. Vier Kinder bereicherten die Familie: Max (1871-1932), Sophie (1877-1964), Richard (1882-1949) und Hermine (1884-1971).

Im Weltausstellungsjahr 1873 zeigte man den damals weltberühmten schwedischen Riesen Emanuel Andersen. 1875 trat auch Nikolai Kobelkoff in seinem Etablissement auf. Der Familienbetrieb wurde im Laufe der Jahre um diverse Ballwurfspiele mit Holzfiguren, eine Schießstätte mit Luftdruckgewehren, und 1877 durch die erste Schlagmaschine erweitert.

1885 verstarb August Schaaf an einem Gehirnschlag. Seine Witwe Auguste führte vorerst den Familienbetrieb im Sinne ihres Ehemannes weiter. Um die Jahrhundertwende stellte sie den Betrieb auf Kinematographenvorführungen um, Sie selbst starb im Jahr 1908. Da die Geschäfte in den kommenden Jahren sehr schlecht gingen, verkauften die Erben um 1925 Prater 66 (heute 49) an die berühmte Schaustellerfamilie Holzdorfer. An dieser Stelle wurde 1926 das erste Autodrom des Praters eröffnet.

 Kino, Prater 66 (heute 49)
Kino, Prater 66 (heute 49)

1. Ehefrau: Hermine Schaaf, geb. Schubert

Geboren am 19.12.1829  in Merseburg, Sachsen-Anhalt, Deutschland
Gestorben am 23.6.1869 im Wiener Prater

Caroline Hermine, genannt Hermine, lernte den jungen August Schaaf im Jahr 1853 in Leipzig kennen und lieben. Die Hochzeit fand am 17.10.1853 statt. August war bereits reisender Schausteller und Hermine gewöhnte sich an diese Art zu leben. Zwei Kinder kamen zur Welt, Carl (1859-1935) und Leopold (1867-1898).

1865 ließ sich die Familie im Prater nieder und erwarb 1866 die Praterparzelle 66 (heute 49) von Herrn Redl. Hauptsächlich wurden in diesem Betrieb Abnormitäten vorgeführt, wie siamesische Zwillinge, Drillinge, Riesendamen, Mädchen ohne Arme und Beine, Riesen und Zwerge. Im Alter von 36 Jahren verstarb Hermine Schaaf.

2. Ehefrau: Auguste Schaaf, geb. Wilfert

Geboren am 30.3.1847 in Genthin, Sachsen-Anhalt, Deutschland
Gestorben am 10.11.1908 im Wiener Prater

Louise Wilhelmine Auguste, genannt Auguste, war die älteste Tochter von Johanna Dorothea Emilie Wilfert, geb. Gähnrich, und Ernst Christian Wilfert, aus der berühmten Schaustellerfamilie. Auguste verliebte sich in den um 26 Jahre älteren August Schaaf, der Witwer war und bereits zwei Söhne, Carl (1859-1935) und Leopold (1867-1898) hatte.

Am 8.5.1871 heirateten die beiden. Zu diesem Zeitpunkt war nicht abzusehen, dass Augustes jüngste Schwester Emilie, ihren Stiefsohn, Carl, heiraten würde.

Vier Kinder stammten aus dieser Ehe. Max (1871-1932), Sophie (1877-1964), Richard (1882-1949) und Hermine (1884-1971). Der Wohnort der Familie war Prater 66 (heute 49), wo auch der Betrieb ansässig war.

1885 verstarb ihr Mann August und sie führte den Betrieb bis zu ihrem Tod im Jahr 1908 weiter.

 

Auszüge aus Alexander Schaafs „Der Prater unser Leben“