Kommerzialrat Eduard Lang

Geboren am 25.6.1912 in Wien
Gestorben am 5.11.1995 im Wiener Prater

Eduard Lang war das jüngste Kind von Rosa Lang, geb. Tauber, und Oskar Lang. Nach seinen Geschwistern Wilhelm (1904-1967), Albert (1907-1970) und Anna (1910-1966) kam er 1912 zur Welt. Familie Lang lebte im zweiten Bezirk, in der Nähe des Praters. Nach der Pflichtschule begann Eduard eine Gold- und Silberschmiedelehre. Seine geheime Leidenschaft gehörte jedoch dem Prater.

Eduard Lang, 1944
Eduard Lang, 1944

So kam es, dass Eduard, neben seiner Ausbildung, am Wochenende als Schaustellergehilfe bei Familie Eigner auf der Parzelle Prater 64 (heute 47) tätig war, um nebenbei ein paar Groschen zu verdienen, und seine Familie finanziell zu unterstützen.

Prater 64 (heute 47)
Prater 64 (heute 47)

Nach positivem Lehrabschluss begann er als Juwelier zu arbeiten. Nach der Meisterprüfung, da war der junge Eduard bereits Ehemann und Vater von Tochter Erika (1934), versuchte er sich als Unternehmer. Drei Juwelierläden konnte er eröffnen.

Während des Krieges zerbrach seine Ehe mit Ehefrau Margaret, bald darauf lernte er seine zweite Ehefrau Margarete kennen und lieben. Drei Kinder, Eva (1944-2020), Eduard jun. (1945-1995) und Gertrude (1947) kamen zur Welt.

Anfang der 1950er Jahre zog es Eduard Lang zurück in den Prater. Er erwarb die Parzelle Prater 55g von Ernst und Nikolai Kobelkoff, ohne zu ahnen, dass er deren Cousine Liselotte einmal heiraten würde. Die Jahre gingen dahin.

Eduard Lang vor Prater 47
Eduard Lang vor Prater 47

Nach der Scheidung von seiner zweiten Ehefrau Margarete im Jahre 1959 verliebte er sich in die um 15 Jahre jüngere Liselotte Gruber, geb. Schaaf. Auch sie hatte bereits Kinder, die Töchter Elisabeth (1951) und Renate (1953).

Seine dritte und letzte Ehe schloss er 1962, aus der die Kinder Silvia (1962) und Karl (1963) hervorgingen. Liselotte und Eduard waren ein gutes Team. Beide liebten den Prater und wollten etwas erreichen. Die harte Arbeit und viele Entbehrungen machten sich bezahlt, denn im Laufe der Jahre konnten sie weitere Plätze im Prater erwerben. Im Jahr 1983 hatten sie bereits acht Betriebe.

Ein Leben für den Prater

Die Praterleute schätzten Eduard Lang. Für alle hatte er ein offenes Ohr. So kam es, dass Edi, wie ihn alle nannten, bereits in den 1960er Jahren zum Obmann-Stellvertreter des Verbandes der Praterunternehmer aufstieg, 1980 wurde er selbst Obmann. Diese ehrenamtliche Tätigkeit übte er mit großer Leidenschaft und Liebe bis kurz vor seinem Tod im Jahr 1995 aus.

Den letzten Tag seines Lebens verbrachte Eduard Lang mit dem Einwintern der Betriebe. Gegen 15:30 Uhr setzte er sich im Büro an seinen Schreibtisch, um Musik zu hören und ein wenig auszurasten, da ereilte ihn der Sekundentod.

Eduard Lang

Dr. Helmut Zilk, Altbürgermeister von Wien, hielt die Grabrede für seinen Freund Eduard Lang, für den letzten „König des Wiener Praters“, wie er so treffend formulierte.

Zum 25. Todestag Erinnerungen an Eduard Lang

© Silvia Lang & Natasa Vizin, 2020
Eduard Lang, 25. Todestag, 2020

Eduard Lang, ein Mann, der sein Leben dem Prater widmete.

Lebenslauf Eduard Lang

25.6.1912  geboren in Wien
1918–1926  Volks- und Bürgerschule
1926–1930  Gold- und Silberschmiedelehre
1939–1945  Wehrdienstverpflichtung
1947  Meisterprüfung
1952  erster Betrieb im Prater
1960  im Pratervorstand
1971–1981  Arbeitsgerichts-Beisitzer
1974–1980  Vorsteher-Stellvertreter und Ausschussmitglied  Fachgruppe „Allgemeine“
1974–1990  Vorsteher-Stellvertreter Fachgruppe  „Vergnügungsbetriebe“
1975–1980  Ausschussmitglied Fachverband „Allgemeine“
1979–1990  Ausschussmitglied Fachverband „Vergnügungsbetriebe“
1980–1990  Kammerrat der Sektion Fremdenverkehr
1980–1995  Obmann des Verbandes der Praterunternehmer
5.11.1995  gestorben im Prater

Ehrungen und Auszeichnungen

1978 Große Silberne Ehrenmedaille der Handelskammer
1983 Berufstitel „Kommerzialrat“
Silberner Rathausmann
1984 Goldener Rathausmann
1985 Julius Raab-Ehrenmedaille der Landesgruppe Wien
Goldene Ehrenmedaille des Wiener Schaustellerverbandes
1992 Goldenes Verdienstzeichen des Landes Wien
1997 Eröffnung des Eduard-Lang-Weges im Prater

 

Eröffnung des Eduard-Lang-Weges, 9.7.1997

Die Geschichte der Praterhütte 81 (später 64, heute 47)

Sebastian von Schwanenfeld war eine bekannte Praterfigur. Er wurde der „Zauberer“ vom Prater genannt und war meist vor seiner Hütte im Prater anzutreffen, mit einem Zauberstab in der Hand und abgerichteten Kanarienvögeln auf Kopf und Schultern. Er war mit einer Französin verheiratet, die ein Wachsfigurenkabinett nach Wien mitgebracht hatte. Schwanenfeld starb in der Praterhütte Nummer 42 (später 98, heute 27-31) an Entkräftigung am 4.10.1845 im 77. Lebensjahr. 50 Jahre seines Lebens hatte er im Prater verbracht.

Basilo Calafati (1800-1878) trat im Prater als Taschenspieler auf. Er kaufte das Ringelspiel „Zum schwarzen Ross“ (später „Zum großen Chineser“), die Praterhütte Nummer 110 (später 114, heute 41-45), um 1300 Gulden von Katharina Martin. Im selben Jahr, nämlich 1834, erwarb er die Hütte, die damals die Nummer 81 trug (später 64, heute 47) von Sebastian von Schwanenfeld um 1200 Gulden. Ab 1830 dürfte er auch als Assistent von Schwanenfeld tätig gewesen sein.

Im Jahr 1871 übernahm Basilo Calafatis Sohn, Eustach Calafati, die Parzelle Prater 64 (heute 47). Ihm folgten seine Söhne Eustach und Otto Calafati 1882 nach und verkauften den Betrieb schließlich ihrem Cousin Alexander Barth im Jahr 1899.

Alexander Barth war als Hunde- und Affendresseur in der ganzen Welt unterwegs, seine Ehefrau gastierte als Dompteuse bei dem berühmten Zirkus Barnum und Baley in Amerika.

Narrenpalast, Prater 64 (heute 47)
Narrenpalast, Prater 64 (heute 47)

Was gab es nicht alles im Laufe der Jahre bei Barth zu sehen!

1906 ein Karussell-Pferdereiten
1907 eine Rodelbahn
Ab 1911 das verwunschene Schloss und den Narrenpalast
1912 Mariedl, die Riesin aus Tirol
1913 das „fidele Haus“, ein Kugel- und Ringwurfspiel und japanische Billards
1914 das Kugelwerfen von der Zeppelingondel, ganz im Zeichen des Krieges und das Kriegsspiel „Torpedola“
1915 ein Kriegspanorama, anschließend das „Wunder der Wissenschaft und Kunst“ und neben dem Narrenpalast auch noch eine Reptilienschau
1922 die erste Spielhalle des Praters
1929 starb Alexander Barth, seine Witwe führte den Betrieb als Narrenpalast und Spielhalle weiter
1931 blieb der Narrenpalast geschlossen, nur die Spielhalle war in Betrieb.
1932 wurde der Betrieb vom Schwiegersohn von Alexander Barths Schwester Josefa, Franz Karl Eigner, übernommen und umgebaut. Es gab eine Reihe von Wurfspielen, moderne Kraftmaschinen und die  Spielhalle. Das Gebäude auf der Parzelle Prater 64 (heute 47) war bei den Luftangriffen im Jahr 1945  nicht abgebrannt. Mit der neuen Bezeichnung Prater 47 wurde der Betrieb nach dem Krieg sofort wieder aufgenommen.

Bis ins Jahr 1981 führten Franz Karl Eigner sowie seine Töchter Irene Kramer, Elisabeth Mader und Maria Windischhofer die Geschäfte. Da es keine Nachkommen gab, entschlossen sie sich, den Betrieb zu veräußern. Großes Interesse am Kauf bekundete Eduard Lang, der zu diesem Platz und seinen Besitzern eine besondere Beziehung hatte: Genau dort hatte im Jahr 1926 seine Karriere im Prater als Wochenendaushilfe begonnen.

Im Jahr 1987 übernahm Tochter Silvia Lang diesen Betrieb. Die älteste Spielhalle des Wiener Praters heißt nun Daytona Beach.

Daytona Beach, Prater 47
Daytona Beach, Prater 47